Was ich gerade vermisse – Folge 2: Fortbewegungsmittel

Sehnsucht habe ich, Fernweh nach lauter kleinen und großen Dingen und Orten. Ich klicke mich durch meine Fotoalben und schwelge in Reiseerinnerungen. Folge 2: Ein kleiner Ausschnitt aus der großen Vielfalt der Transportmittel – vom Fahrrad bis zur Fähre

Star Ferry vor der Skyline von Hongkong
Über hundert Jahre Tradition: Die legendäre Star Ferry in Hongkong

Reisen ist Unterwegs-Sein. Der Weg ist das Ziel. Und am Ziel warten oft neue Möglichkeiten des Unterwegs-Seins. Dabei ist der Transport abgelöst von der reinen Zweckmäßigkeit. Die Fahrzeuge selbst haben einen ganz eigenen Charme. Ich meine damit nicht die großen Flugzeuge. Die möchte ich hier ausdrücklich ausschließen. Fliegen ist meist Quälerei und grauenhaft für die Umwelt. Ich würde es gerne vermeiden. Doch dazu locken mich ferne Ziele zu sehr. Also nehme ich es zähneknirschend und mit schlechtem Gewissen in Kauf. Bei den Kreuzfahrtschiffen ist es etwas anders. Da ist das schlechte Gewissen noch größer, weil ich die Dinger irgendwie mag. Sie sind Ziel und Transportmittel gleichzeitig, ganz eigene Welten. Aber sie haben ein eigenes Kapitel verdient. (Und wurden im Blogbeitrag „Das Meer“ schon mitgefeiert.)

Am liebsten bin ich mit eigenem Muskelantrieb unterwegs – auf einem meiner Fahrräder. Radreisen sind so genial einfach: wasserdichte Packtaschen, Zelt, Schlafsack und Isomatte – und losfahren. Möglichst nach Dänemark, wo es lauter kleine Wildlagerplätze gibt, auf denen man spontan zelten kann. Oder nach Schweden, wo man dank des Jedermannrechts fast überall übernachten kann.

Ein Traum wäre ein Wanderritt. Ein Pferd ist jedoch kein Transportmittel, sondern wäre ein Reisegefährte. Jemand, mit dem man sich austauscht, auch über das Unterwegs-Sein

Fähren mag ich gerne. Sie sind eine unkomplizierte Möglichkeit des Perspektivwechsels. Vom Wasser sieht alles gleich ganz anders aus.

Öffentliche Verkehrsmittel sind überhaupt toll, wer eine Stadt begreifen will, sollte dort wenigstens ein Mal Bus, U-Bahn oder Tram gefahren sein.

Interessant ist es, zu beobachten, womit man sich in anderen Ländern fortbewegt. Mit Kutschen oder edlen Limousinen? Oder beidem? Sind es Verkehrsmittel, also rein zweckdienliche Gerätschaften, oder werden sie geschmückt, dekoriert, zum Kunstwerk wie die Lastwagen in Indien? Und wer einmal in Vietnam war, weiß, dass es nichts gibt, das man nicht auf einem Motorroller transportieren könnte. In Ho-Chi-Minh-Stadt gibt es übrigens nur gute Mopedfahrer, versicherte uns unser Guide. „Die anderen sind alle schon tot.“ Das hat er uns kurz vor einer Tour erzählt, bei der ich als Beifahrerin auf einer Vespa saß – mitten in der Rush Hour. Sehr beruhigend. Mein Fahrer war natürlich einer von den guten. Der beste.

Myanmar, Landstrasse, Ochsenkarren, Verkehr
Unterwegs auf der Straße nach Mandalay, Myanmar

Road to Mandalay: Auf der nahezu endlosen Landstraße begegnen wir allen möglichen Transportformen. Ochsenkarren, Motorroller, PKW natürlich, ein Laster mit Gepäck und Mönche, die zu Fuß unterwegs sind. Wir reisen mit einem Bus. Wenn jemand aus der Gruppe etwas etwas am Straßenrand entdeckt hat, ruft er oder sie „Fotostopp“ – und wir springen hinaus und knipsen. Das passiert häufig.

Tram in Lissabon. Alfama
Tram No. 28E in Lissabon

Enge Gassen? Kein Problem: Die Tram in Lissabon bahnt sich ratternd ihren Weg. Die schönste Strecke fährt die 28E – durch das Altstadtviertel Alfama. Die alten gelben Remodelado-Bahnen stammen aus den 1930er Jahren. Sie kommen am besten mit den steilen Schienen und den knappen Kurven klar. Tagsüber sind sie voller Touristen und damit auch ein beliebtes Revier für TaschendiebInnen.

Das hat Stil: „Peninsula Green“ heißt die Farbe der legendären Rolls Royce-Flotte des Luxushotels. Damit wurde ich vom Flughafen abgeholt. Im Fond kann man sich herrlich ausstrecken – sehr wohltuend nach den engen Flugzeugsitzen. Bei der Gelegenheit habe ich übrigens meine Hamburger Nachbarn kennen gelernt – aber das ist eine andere Geschichte.

Pferdekutsche, Bagan, Myanmar
Pferdkutschen vor einem der vielen Tempel in Bagan, Myanmar

A horse with no name: „Wie heißt das Pferd?“ – „Keine Ahnung. Wenn ich morgens zur Arbeit komme, steht es da. Mit dem Wagen. Der Besitzer hat es hingestellt. Ich fahre nur.“ Ich glaube, der Kutscher in Myanmar fand meine Fragen seltsam. Aber die Fahrt im Pferdewagen mit den geblümten Kissen über das Tempelfeld von Bagan war wunderschön.

Faltrad, Göteborg, Kunstmuseum, Schweden
Mit dem Faltrad auf dem Kattegattleden bis nach Göteborg in Schweden

Mit dem Faltrad auf dem Kattegattleden: Mein kleines Bike Friday, das Arbeitspony aus meinem Zweirad-Fuhrpark, trägt lässig zwei Gepäcktaschen und die Rolle mit dem Zelt. Und in der Bahn macht es sich ganz klein. Es passt sogar in einen Koffer – aber wer fährt schon mit Koffer auf Radreise? Daneben steht M.s Reisefaltrad, eine Sonderanfertigung von Urban Fahrradbau.

Ladekünstler! In Ho-Chi-Minh-Stadt kann man auf einem Motorroller alles transportieren: Familien mit mehreren Kindern (inklusive Babystuhl), Mülltonnen, meterlange Rohre, mehrere Flachbildschirmfernseher, rohe Eier und natürlich Blumengestecke. Vor allem Blumengestecke.

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