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Venedig – 7 Tipps

Sich einfach durch die Gassen treiben lassen – das ist das Schönste in Venedig. Wer zwischendurch doch mal einkehren möchte: Hier sind ein paar frisch ausprobierte Tipps

Venedig, Blick von der Rialto-Brücke auf den Canale Grande
Venedig, Blick von der Rialto-Brücke auf den Canale Grande

1. Gelateria da Nico

Auf der Sonnenseite Venedigs, der Zattere, liegt Nicos Eisdiele – mit einer großen Terrasse auf einem Ponton auf dem Giudecca-Kanal. Dort wird die Spezialität des Hauses serviert: Gianduiotto. Das ist ein ordentlicher Quader Nougateis, der in einem Glas (0,2 l) voller Schlagsahne versenkt wird. Die Schlagsahne quillt über, es sieht genau so herrlich und kalorienreich aus, wie es schmeckt. Einfach schwelgen und dabei den flanierenden Venezianern und Touristen zusehen.

Dorsoduro 922, direkt an der Haltestelle Zattere

2.Osteria Al Vecio Forno

In dem engen Gassengewirr des Dorsoduro („harter Rücken“), vorbei an lauter urig aussehenden kleinen Touristenmenu-Fallen bahnen wir uns den Weg. Es ist schwierig, in Venedig essen zu gehen, weil es für Auswärtige nicht so einfach einzuschätzen ist, wo es gut ist und wo eben nicht. Wir haben eine Venezianerin nach ihrem Tipp für die beste Pizza der Stadt gefragt und wurden ins „Al vecio forno“ („alter Ofen“) geschickt. Die Osteria leuchtet hell und ist ganz pur und modern eingerichtet, mit schwarz-weißen Wänden – ein klarer Kontrast zur Umgebung. Die Pizza-Variationen klingen ungewöhnlich: Mit Ei, mit Burrata, mit Zucchini-Blüten und Anchovis, mit Walnüssen, Rucola und Brie. Und was uns serviert wird, sieht auch speziell aus: Das Ei ist eine Art weiches Spiegelei auf der Pizza, der Burrata thront als Hügel in der Mitte, die Zucchiniblüten sind gefüllt und in Teig ausgebacken, quasi eine eigene Vorspeise. Der Teig ist dünn und kross, mit köstlichem Rand – der alte Ofen hat ganze Arbeit geleistet. Wir fühlen uns ein bisschen wie in Neapel.

Dorsoduro 3924-3925, www.facebook.com/Osteria-Al-Vecio-Forno-130652694204906/

3. Dogenpalast – Palazzo Ducale

Welche Pracht! Der Dogenpalast, Regierungs- und Wohnsitz der Dogen, am Markusplatz, ist üppig ausgestattet und über und über verziert. Quasi jeder Zentimeter innen ist bearbeitet: Traumhafte Terrazzo-Böden, kunstvoll verschnörkelte Türen, goldene Friese und Stuck und überall Gemälde, an den Wänden, an den Decken. Sehr praktisch, diese Deckenverzierungen: Kann man gut fotografieren, ohne dass jemand im Weg steht. Der Saal des Großen Rates wäre mit seinen Maßen von 54 mal 25 Metern auch gut als Reithalle geeignet, bei einer Deckenhöhe von 15,40 cm wäre nicht nur Dressur, sondern auch Springen drin.

San Marco 1, Piazetta San Marco, www.palazzoducale.visitmuve.it

4. Trattoria alla Nuova Speranza

Trattoria alla Nuova Speranza, Campo Ruga, Venedig
Trattoria alla Nuova Speranza, Campo Ruga, Venedig

Hinten in der Küche kocht die Mamma, vorne servieren zwei Brüder: Die Trattoria alla Nuova Speranza sieht angenehm unspektakulär aus. Einfache Holzverkleidung, helle Lampen, Papiertischsets. An den Nebentischen sitzen mittags Arbeiter aus der Umgebung. Die Karte beginnt mit vier Seiten Fischgerichten, danach kommen zwei Seiten mit Fleisch. Wir nehmen das Tagesgericht, Fettuccine mit einer Art Fisch-Bolognese. Schlicht, bodenständig und lecker. Und das an einem ganz ruhigen Platz, versteckt im Castello-Viertel, und, das ist für Biennale-Besucher interessant, ganz nah beim Hinterausgang des Arsenale.

Castello 145, Campo Ruga

5. Alsquero

Nach der Arbeit trinkt der Venezianer einen Aperol Spritz. Die Touristen fangen damit schon früher an, die Studenten sind die Spätschicht. Dazu isst man Crostini, das sind fantasievoll belegte Weißbrotscheibchen. Unsere favorisierte Aperol-Spritz-und-Crostini-Bar Alsquero liegt gegenüber der alten Gondelwerft. Auf dem Mäuerchen am Fondamente glitzern die roten Getränke in der goldenen Stunde so schön, während auf der anderen Kanalseite Männer in geringelten Pullis gekonnt an den Gondeln herumhobeln. Ein für venezianische Verhältnisse günstiges Vergnügen ist das auch: Aperol Spritz im Plastikbecher (0,2 l) kostet hier 2,50 Euro – und soll der beste der Stadt sein. Crostini Stück 1,40 Euro. Und am Kanal weiter unten, weg vom Zattere, liegt noch eine weitere Weinbar, auch dort gibt es eine große Crostini-Auswahl. Man muss nur aufpassen, dass die nicht vom Pappteller fallen.

Alsquero, Dorsoduro 943-944, Fondamenta Nani, osteriaalsquero.wordpress.com

6. Process Collectivo

Process Collectivo, San Polo 2559, Fondamento dei Frari
Made in Prison: die Taschen im Process Collectivo, San Polo 2559, Fondamento dei Frari

Buntes aus Murano-Glas und Masken: das sind die Souvenirs, die und an jeder Ecke in Venedig angeboten werden. Dazu noch der eine oder andere Fächer und eine Miniatur-Gondel. Der kleine Laden Process Collectivo nahe der Basilica die Frari hat ein ganz anderes Angebot. Hier gibt es Taschen, die vom Kollektiv Rio Terà die Pensieri in Gefängnissen hergestellt werden. Für die diesjährige Kunstbiennale hat sich der Künstler Mark Bradford mit dem Kollektiv zusammengetan, die Zusammenarbeit ist für sechs Jahre angesetzt.

Die Taschen des Labels „malefatte Venezia“ werden aus LKW- und Werbeplanen hergestellt, sind schön bunt, gut verarbeitet und durchdacht. Und jede hat ihre eigene Geschichte …

Process Collectivo, San Polo 2559, Fondamento dei Frari, malefattevenezia.it/en/venezia-store

7. Kunst-Biennale

Für Schnellentschlossene oder welche, die jetzt schon Pläne für 2019 machen: Die Kunst-Biennale in Venedig findet alle zwei Jahre statt. Dieses Jahr noch bis zum 26. November, ab 1. Mai 2019 dann wieder.

Wer das Kunst-Ereignis richtig genießen möchte, sollte sich dafür mindestens drei Tage Zeit nehmen. Einen Tag, um durch die Giardini zu flanieren und dort die Länderpavillons zu besichtigen. Allein die Pavillons selber sind ein spannender Häuserzoo. Und was darin geboten wird, reicht von naja bis sensationell. Der diesjährige deutsche Beitrag, die Performance „Faust“ von Anne Immhoff, ist auf jeden Fall ein Kracher – und mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Sich über den Performance-Termin informieren, rechtzeitig kommen, lange vorm Pavillon anstehen, es lohnt sich! Am nächsten Tag ins Arsenale, ein altes Werftgelände, in dessen langer Halle eine große kuratierte, länderübergreifende Ausstellung gezeigt wird. Dazu noch ein paar weitere Länderpavillons.

Was mir aber am meisten Spaß macht, ist die Schnitzeljagd durch die Stadt zu weiteren Länderpavillons. Die sind in Palazzi, auf Dachböden, in Kirchen, eigentlich überall versteckt und, wenn man sie gefunden hat, auch meist ohne Eintrittskarte frei zugänglich. So kommt man nicht nur zu überraschendem Kunstgenuss (Grenada zeigt z.B. Arbeiten eines Unterwasserkünstlers), sondern auch in fantastische Räume hinein, die man sonst nie hätte betreten können.

www.labiennale.org

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