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Alles Essig!

Eine köstliche Essig-Degustation mit dem Obstbauern-Paar Schmitt aus dem Walberla in der Fränkischen Schweiz  – online natürlich

Roland Schmitt Obstblüte im Walberla
"Die Landschaft prägt mich und meine Arbeit": Roland Schmitt auf seiner Obstwiese (c) www.bayern.by - Jens Schwarz

Roland Schmitt rückt mit seinem Stuhl etwas näher an seine Frau Andrea heran und legt liebevoll den Arm um ihre Schulter: „Das mit dem Essig, das war ihre Idee.“

Roland Schmitt ist Obstbauer – im Nebenerwerb, aber mit Herz und Seele. Sein Großvater hat den Betrieb 1850 gegründet. Ein Drittel seiner Obstsorten steht, wie schon zu seines Großvaters Zeiten, auf ursprünglichen Streuobstwiesen. „Ich belasse viele Elemente in der Natur. Auf unseren Streuobstanlagen stehen viele ältere Sorten oder hohle Bäume, die Nistplätze für Vögel oder andere Bewohner bieten. Wir verzichten darauf, sie zu fällen. Bei uns finden Sie auch Stein und Holzhaufen unberührt auf den Wiesen liegen“, so Roland Schmitt.

Rentabel ist so etwas nicht unbedingt.

„Vor 15 Jahren etwa hatte ich die Idee mit dem Essig“, erzählt Andrea Schmitt. Eine Gartenzeitschrift brachte sie darauf. Ihr Mann war zunächst skeptisch, aber sie hat einfach mal gemacht. Inzwischen verarbeitet sie „alles, was hier wächst“ zu feinen Essigsorten. Kirsche, Mirabelle, Zwetschge … 12 verschiedene Sorten verkauft sie inzwischen im Hofladen. „Alle ohne Zusatzstoffe, nur die pure Frucht etwas Zucker zur Abrundung des Geschmacks.“

Auf den Streuobstwiesen stehen teilweise noch 100 Jahre alte Birnbäume. Viele Früchte tragen diese nicht mehr – aber die Früchte, die sie tragen, die schmecken. Und wie!

„Ich finde es verblüffend, dass wir es tatsächlich schaffen, diese Aromen im Essig wiederzufinden.“

Alte Sorten werden zu einem neuen Produkt: „Das hilft auch, die Landschaft zu erhalten.“

Vier Aspekte machen die hervorragende Qualität des Essigs aus: „Wir können das Obst so lange ausreifen lassen, wie es braucht. So bekommt es viel Aroma. Das geerntete Obst wird ganz frisch verarbeitet. Das Verhältnis Frucht zu angesetztem Essig: Wir verwenden 5 Kilo Beeren auf fünf Liter Essig. Und, zuletzt, aber ganz wichtig: Zeit. Ruhe. Geduld. Nach sich bis acht Wochen oder einem halben Jahr, je nach Frucht, wird der Essig gefiltert und abgefüllt.“

Wir probieren den dunklen Brombeeressig. Fast wie Likör schmeckt er, tiefgründig, weich und samtig. „Der schmeckt gut zu Feldsalat, zu allen Wintersalaten und zu roter Rübe“, sagt Andrea Schmitt. Und, eine etwas andere Variante: „Probieren Sie den mal über Vanilleeis!“

„Ds war für mich auch eine neue Erfahrung“, schmunzelt ihr Mann.

Den Birnenessig – oh, wie wunderbar leicht und fruchtig der schmeckt, den könnte ich so trinken! – gibt sie gerne über Blauschimmelkäse oder Camembert. Zu Fisch passt er auch sehr gut.

„Und im Sommer ein halbes Stamperl in den Sekt!“

„Man muss den Kunden schon mal etwas heranführen“, hat Andrea Schmitt festgestellt. Das ist ihr gelungen.

Vergangenes Jahr hat die „Obstwiese Schmitt“ über 1000 Liter Essig hergestellt. Weniger wird es in diesem Jahr bestimmt nicht.

Essig-Flaschen im Hofladen der Obstwiese Schmitt
Aus Obst wird Essig – köstlich fruchtige Sorten gibt es im Hofladen der Obstwiese Schmitt (c) www.bayern.by - Jens Schwarz

Reisetipp von Roland Schmitt

Die Zeit der Obstblüte ist im Walberla besonders schön. Ab etwa 20. April beginnt die Kirschblüte, es schließt sich die Birne an, dann verschiedene Apfelsorten. „Wir haben hier im Walberla fast drei Wochen ein bombastisches Blütenmeer!“, schwärmt Roland Schmitt.

Roland Schmitt beim Obstbaumschnitt
Roland Schmitt beim Obstbaumschnitt (c) www.bayern.by - Jens Schwarz

Reisetipp von Andrea Schmitt

Beim „Ernteerlebnis Fränkische Schweiz“ kann man zu uns auf den Hof kommen und bei der Obsternte helfen. Oder bei der Essigherstellung und beim Marmelade kochen. Das macht so richtig den Kopf frei. Kost und Logis sind gratis, die Gäste haben bei uns auch Familienanschluss. Das ist für uns auch toll – da treffen ganz verschiedene Charaktere aufeinander. Ähnlich wie beim Essig …

Informationen und Online-Shop:

www.obstwiese-schmitt.de

Äpfel in Körben im Hofladen der Obstwiese Schmitt
Äpfel in allen Aggregatzuständen im Hofladen der Obstwiese Schmitt (c) www.bayern.by - Jens Schwarz

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