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Herbst im Lake District: 6 Gründe für eine Reise

Inspiration für Dichter, Nationalpark und seit 2017 UNESCO Weltkulturerbe: Der Lake District ist eine englisches Juwel. Nur etwa 160 Kilometer nördlich von Manchester verzaubert uns diese malerische Region – sogar (oder gerade) bei regnerischem Herbstwetter.

Honister Pass, Lake District
Roadtrip im Lake District zum Buttermere: bei Regen über den Honister Pass

1. Die Seen

Zugegeben, das ist jetzt nicht wirklich überraschend. Aber Wasser ist einfach etwas Schönes. Ich sehe es mir gerne an. Es muss ja nicht immer das Meer sein. So ein See strahlt Ruhe und Frieden aus. Vor allem diese langen, schmalen Seen wie das Derwent Water oder das Buttermere. Gemerkt? Die Seen im Lake District heißen meist gar nicht "Lake", sondern "Water", "Mere" oder auch „Tarn“. Über 16 größere und über 50 kleinere dieser malerischen Gewässer soll es im 2300 Quadtratkilometer großen Lake District geben. Eine Wanderung um Buttermere ist selbst bei horizontalem Regen eine feine Sache (vor allem, wenn man danach bei "Sykes Farm Tearoom" einkehrt – dazu gibt es einen eigenen Tipp). Und auf dem Derwent Water bei Keswick tuckern hübsche Holzfähren und sammeln an verschiedenen Stegen müde Wanderer ein.

Tipp: Einkehr im Syke Farm Tea Room nach einem Regenspaziergang ums Buttermere

Unter dem Stuhl von Teenager1 bildet sich eine Pfütze. Ihre Regenjacke tropft. Unter dem Nachbartisch kläfft ein Terrier. Um uns herum plaudern ältere Herrschaften bei Tee und Scones, alle ebenso nass wie wir. Ich bestelle Toad in a Hole (Kröte im Loch). Die Cumberland Sausage soll in einem Yorkshire Pudding nisten. "Ist das Brot?", frage ich, als der Teller mit etwas darauf, das wie eine Tonschüssel aussieht, kommt. Würstchen, Kartoffelbrei und Onion Gravy kann ich erkennen. "Nein, das ist der Yorkshire Pudding!" Er schmeckt wie eine Kreuzung aus Brot und Tonschüssel. Teenager1 wundert sich mehrfach über das britische Verständnis von Pudding und schüttelt dazu immer ungläubig den Kopf. Gemeinsam mit Teenager2 macht sie sich über die Supersize Hot Chocolate her. Mit Sahne und Marshmellow obendrauf. Es ist wunderbar hier!

Syke Farm Tea Room

Lake District, Trockenmauer
Typisch im Lake District: Trockenmauern (im Herbst nass), Holzgatter, sattgrüne Wiesen

2. Die Schafe

Auf 50 Hektar soll es hier 1000 Schafe geben – aber so genau weiß das niemand, wegen der Berge dazwischen. Sicher ist: Es stehen jede Menge dieser Wollknäuel herum, dekorativ verteilt auf den sattgrünen Wiesen, malerisch umrahmt von steinernen Trockenmauern. Ohne die Schafe, würde ich behaupten, wäre der Lake District nur halb so hübsch. Die Seen, die sanften Hügel, die schrofferen, höheren Berge, vom Farn im Herbst rot gefärbt, die grau-weißen Städtchen mit ihren Schieferhäusern, die mosaikartig von Weiden und Mauern strukturierten Täler – alles wunderbar. Aber das i-Tüpfelchen sind die Schafe. Vor allem die Herdwicks. Die sind plüschig-grau mit weißem Kopf, haben sogar ganz flauschige Beine und sehen immer so aus, als würden sie verschmitzt lächeln. Wie Stofftiere. Nur noch niedlicher.

Herdwick-Schafe
Plüschtiercharme: Herdwick-Schafe am Derwentwater

3. Die Farben

Die Grau- und Grüntöne der Schieferhäuser. Das rostrote Leuchten des Farnes und der Laubbäume. Die immer noch sattgrünen Wiesen. Die grau-glitzernden Flächen der Seen. Der Lake District bezaubert im Herbst mit einer angenehm distinguierten Farbpalette und wirkt hochelegant. Nicht nur inspirierend für Farrow & Ball, den Farb- und Tapetenhersteller aus dem nahegelegenen Manchester.

4. Die Freundlichkeit

Hunde, schlammige Wanderstiefel und vom Regen tropfende Menschen sind eigentlich überall willkommen – in Pubs, Restaurants, Cafés, Shops. Für die Pfoten der Vierbeiner liegen meist sogar Handtücher bereit. Das Städtchen Keswick (siehe Tipp 6) nennt sich selbst „Fairtrade Town“ und die Bäckereifachverkäuferin bei Bryson’s nennt mich Darling und packt mir noch zwei Scones extra in die Tüte, weil ja gleich Feierabend ist. Ohne diese extra zu berechnen, versteht sich. Und beim Spaziergang – oder der Wanderung – wird freundlich gegrüßt, als würde man sich kennen. Ist doch klar.

In den Straßen von Keswick, Pub "Dog and Gun"
Auch nasse Hunde sind willkommen im Pub "Dog & Gun" in Keswick

5. Geschichte überall

Der Lake District ist nicht etwas Weltnatur- sondern UNESCO Weltkulturerbe. Die Region war die Heimat und Inspirationsquelle der sogenannten Lake Poets um William Wordsworth, die als Vorreiter der britischen Romantik gelten. Dove Cottage, das Wohnhaus von Wordsworth, kann in Grasmere besichtigt werden.

Doch es gibt auch noch beeindruckende Zeichen früherer Geschichte: zum Beispiel den Castlerigg Stone Circle. 38 bis zu drei Meter hohe Steine bilden ein Oval – seit der frühen Bronzezeit. Bei Sonnenuntergang ist das Licht besonders magisch, dann tummeln sich zahlreiche Fotografen um einen der größten Steinkreise Englands. Wer braucht da noch Stonehenge?

Das ist noch nicht alles: Im Küstenort Ravenglass sind die Überreste eines römischen Bades erhalten. Eine entzückende Schmalspurbahn fährt 11 Kilometer durch den Nationalpark. Und ein Spukschloss hat die Ecke auch zu bieten: Muncaster Castle. Seit neun Jahrhunderten von der gleichen Familie bewohnt. Und vermutlich von den gleichen Geistern.

Tipps:

Castlerigg Stone Circle, Castle Lane, Underskiddaw, Keswick

Muncaster Castle, Ravenglass, www.muncaster.co.uk

Castlerigg Steinkreis im Lake District bei Sonnenuntergang
Mystisch: Der Castlerigg Stone Circle bei Sonnenuntergang

6. Keswick

Das charmante Städtchen ist das perfekte Basecamp. Es liegt direkt am Derwent Water und ist Ausgangspunkt für schöne Wanderungen. Außerdem ein Shoppingparadies für Outdoor-Klamotten, ich glaube, wir haben sieben bis acht Fachgeschäfte gezählt. Millican, das Rucksack-Label, hat seinen Sitz auch hier (aber leider kein Outlet). Die Kollektion gibt es z.B. bei George Fisher. „The Fairtrade Town“ Keswick punktet auch mit einem Wochenmarkt (donnerstags und samstags), vielen kleinen Läden, entzückenden Cafés und urigen Pubs („Dog & Gun“). Ein wunderschönes Kino gibt es auch, das Alhambra, und sogar ein Theater, das „Theatre at The Lake“.

www.keswick.org

Unterkunft:

Wir haben im Easedale House gewohnt. Diese und mehr Ferienwohnungen über www.sallyscottages.co.uk

Keswick
Wenn der Regen vorbei ist, bleiben die Pfützen: Keswick, Blick Richtung Easedale Haus

Mehr Reisetipps für den Lake District:

www.visitbritain.com/at/de/der-lake-district-nationalpark

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