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Fast wie eine Kreuzfahrt: Ein Wochenende in Montreux am Genfer See

Genfer See, Montreux, Uferpromenade
Verheißungsvolles Glitzern: Die Uferpromenade nach Montreux bietet viele Badestellen

Ein Wochenende in Montreux – den Genfer See stets im Blick. Dabei werde ich das Gefühl nicht los, ich sei auf einer höchst eleganten Kreuzfahrt, nur eben mit festem Boden unter den Füßen. Aber ins Schwanken bin ich dann doch gekommen …Ist Montreux vielleicht ein Kreuzfahrtschiff? Hier ein paar Überlegungen, die meine These stützen

Sonnendeck, Liegestuhl, Sonnenschirm, Genfer See, Lac Léman, Vevey, Kanton Waadt
Auf dem Sonnendeck: Blick auf den Genfer See, den Lac Léman

Lac Léman – Genfer See – das Meer mit Aussicht

Der Genfer See – Lac Léman oder auch Le Léman – hat die Form eines Croissants. Er ist der größte See Frankreichs und der Schweiz. Das Nordufer gehört zum Schweizer Kanton Waadt (Vaud). An einem Croissant-Zipfel liegt Montreux.

Wenn Montreux ein Kreuzfahrtschiff wäre, würde als Auslaufhymne wahrscheinlich „Smoke on the water“ von Deep Purple erklingen. Die Band war gerade zu Studioaufnahmen in Montreux, als bei einem Konzert, das Frank Zappa gab, ein Feuer ausbrach. Der Rauch breitete sich über dem Genfer See aus.

#MontreuxRiviera

#MyVaud

Landgang: Schloss Chillon

Brücke zum Schloss Chillon
Die "Gangway" zum Schloss Chillon

Über ein Brücke (oder eine historische hölzerne Gangway?) betrete ich das Wasserschloss, das wie eine schwimmende Festung auf einer Felseninsel thront. Es ist das meistbesuchte Baudenkmal der Schweiz. Vor mir, im Jahr 1816, war auch schon Lord Byron da, der große Dichter, er hat seinen Namen in eine der Säulen im Verließ geritzt. An eine solche Säule war ein paar Jahrhunderte zuvor François Bonivard (1493-1570) gekettet, ein Kollege Byrons. Dort saß er, sah die Reflektionen des Sees, hörte das Wasser plätschern. Als wäre er in einem Schiffsrumpf eingekerkert. Inspiriert vom Schicksal Bonivards schrieb Byron das Gedicht „Der Gefangene von Chillon“ – und machte das Schloss damit zu einem beliebten Ziel für romantische Touristen.

Schloss Chillon

Avenue de Chillon 21, 1820 Veytaux

www.chillon.ch

Auf dem Promenadendeck: MontreuxRiviera

Genfer See, Lac Leman, Sprung ins Wasser
Dolce Riviera: Sprung ins warme Wasser des Genfer Sees

Zurück nach Montreux spaziere ich entlang der blumengesäumten Promenade. Gigantische Hibiskusblüten, Bananenstauden und Palmen geben mir das Gefühl, im Süden zu sein. Am Ufer steigt eine langgezogene Poolparty – mit reichlich Platz. Der See ist eben doch etwas größer als ein Schiffspool. Und man kann über Stege, Treppen, Decks fast überall ins Wasser. Auf der Promenade sind Bars und Bühnen. Das Motto des Sommers: Dolce Riviera. Das Leben ist süß!

Kombüse deluxe: Dinner im Restaurant Terrasse du Patit Palais

Petit Palais
Toller Empfang: der Eingang zum Petit Palais

Auf einer Kreuzfahrt dreht sich alles ums Essen. Und in der Schweiz auch. Okay, das Menu kostet ungefähr so viel wie ein einwöchiger Karibik-Törn (grob geschätzt). Aber allein das Ambiente auf der Terrasse des Petit Palais (wenn das ein kleiner Palast ist, wie sehen dann die großen aus?) ist das wert. Und zum Glück bin ich ja eingeladen, alles inklusive. Unter dem sonnengelben Markisendach beobachte ich an den umliegenden runden Tischen verschiedene Formen des Reichtums. Aufwendig gestylte Damen unschätzbaren Alters versuchen engagiert, die günstigste Perspektive für ein Selfie zu finden. Aber irgendwas scheint mit dem Winkel nicht zu stimmen, vielleicht war auch die Handtasche nicht richtig im Bild. Daneben eine Familie, die vier Kinder heben ihren Blick nicht von den ipads, selbst der höchstens Vierjährige nicht. Selbst dann nicht, als es drinnen klirrt, als wäre ein Elefant im Porzellanladen. Etwas weiter ein Paar, dass sich anscheinend noch etwas zu sagen hat, so etwas sieht man selten in teuren Restaurants.

Das Essen ist eine Show für sich: Gazpacho aus grünen Tomaten und Melone mit Flusskrebsen, ein wunderbar cremiges Risotto und ein köstliches Dessert, eine Art Kirsch-Schoko-Kugel.

Am Nachbartisch wird eine brennende Torte serviert. Jedenfalls sieht es so aus. Das erinnert mich stark an meine ersten Kreuzfahrt-Eindrücke: Das Kapitänsdinner der Traumschiff-Episoden (zu einer Zeit, als Sascha Hehn dort noch Steward war) mit der Wunderkerzen-Polonäse und der Eisbombe als funkelnder Höhepunkt.

Terrasse du Petit Palais c/o Fairmont Le Montreux Palace

www.fairmont.fr/montreux/dining/terrasse-du-petit-palais

Alles ist so nah: Mit dem Zug am Genfer See entlang

Alles ist so nah – mit dem Zug am See entlang

„Miss German train“ – „Fräulein Überpünktlich“ – nennt Lorelai Gilmore ihre Tochter Rory in einer Szene der Gilmore Girls. Sie hätte lieber „Miss Swiss train“ sagen sollen. Die Schweizer Züge fahren pünktlich, so zuverlässig wie – wen wundert’s? – Schweizer Uhrwerke. Und sie fahren häufig. Ich habe schon länger auf den Aufzug eines Kreuzfahrtschiffes gewartet. Was ich sagen will: Zugfahren im Genferseegebiet ist praktischer und wahrscheinlich schneller als Fahrstuhl fahren auf einem Oceanliner.

Balkonkabine im Grand Hotel

Grand Hotel Suisse Majestic, Blick auf den Genfer See, Lac Léman, Montreux
Der See so blau: Blick aus meiner Balkonkabine im Grand Hotel Suisse Majestic in Montreux

Ah, was für ein Hotel! Direkt vom Fahrstuhl – nein, Bahnhof – in die Eingangshalle. Die Kissen auf den samtenen Sofas und Sesseln haben alle einen akkuraten Kniff. Meine Kabine, pardon, im Hotel heißt das ja Zimmer, ist klein und fein, mit Balkon zum See. Von den vier Kissen auf dem Bett brauche ich nur eines. Die Klimaanlage schalte ich aus. Im Schrank finde ich ein Tablett mit allem, was ich zur Teezubereitung brauche. Bei einem Becher English Breakfast stehe ich am Balkongeländer und schaue dem See zu, wie er in der Sonne funkelt. Dahinter erheben sich die Berge – eine perfekte Kulisse.

Grand Hotel Suisse Majestic

www.suisse-majestic.ch

Schoko-Stündchen in Vevey

Pralinen im L'instant chocolat in Vevey
Welche nehme ich denn bloß? Pralinen im L'instant chocolat in Vevey

„Vevey ist die Stadt zum Leben, Montreux ist für die Touristen“, erzählt die Gästeführerin Dagmar. Der Nestlé-Konzern hat hier seinen Hauptsitz und ist der größte Arbeitgeber der Region. Auf dem Weg nach Vevey kommen wir an der Klinik von „La Prairie“ vorbei, die Kosmetiklinie ist längst verkauft, aber hier werden Schönheitsoperationen durchgeführt.

Vevey hat auch eine hübsche kleine Altstadt, einen großen Markplatz (auf dem ungefähr alle 20 Jahre ein Weinfest, ein gigantisches Weinfest, das Weinfest aller Weinfeste stattfindet), und eine Promenade. Dort steht eine Statue von Charlie Chaplin, der Vevey auch äußerst lebenswert fand und sich hier niederließ, nachdem die USA ihm sein Wiedereintrittsvisum verweigerte. Gegenüber von Charlie Chaplin im See piekt aufrecht eine große Gabel. Sie wurde von Jean-Pierre Zaug zum 10jährigen Jubiläum vom Alimentarium (einem Museum zum Thema Essen und Ernährung) geschaffen und lässt den See nun aussehen wie einen großen Teller. Angesichts des vielen Wassers frage ich mich aber, ob ein Löffel nicht sinnvoller gewesen wäre.

Auf unserem Spaziergang passieren wir noch zwei 5-Sterne-Hotels und ein 3-Sterne-Restaurant.

Unser Ziel ist „L’instant chocolat“, ein Laden von David & Virginie Pasquiet. David, eigentlich ein Franzose, wurde 2013 Schweizer Chocolatier-Meister und kurz darauf Zehnter bei der Weltmeisterschaft. Die Spezialität des Hauses ist weißer Nougat, überzogen mit Schokolade. In Regalen und Vitrinen sind allerlei Köstlichkeiten aufgereiht. Schlichte Schokoladentafeln und bunte Pralinenhalbkugeln, die aussehen wie edle Schmuckstücke. So eine blaue würde ich mir glatt um den Hals hängen. In Peru hat das Paar nach dem perfekten Kakao gesucht, in der Region Las Lomas wurden sie fündig. Sie arbeiten nur mit erlesenen Zutaten, die Kirschen stammen aus dem Wallis, die Haselnüsse aus dem Piemont (oder war es andersherum?). Auch exotische Aromen finden ihren Platz, es gibt Kreationen mit Wasabi oder Earl Grey.

Schokolade wurde übrigens nicht in der Schweiz erfunden, lerne ich. Das ist ein wenig desillusionierend. Aber immerhin: Im Jahr 1879 revolutionierte der Schweizer Cholotatier Rodolphe Lindt die Schokoladenherstellung und erfand das Conchieren. Vorher war die Schokolade grob, trocken und schmolz nicht im Mund. Durch das Conchieren wird sie samtig und zartschmelzend.

Die Milchschokolade ist auch ein original Schweizer Produkt. Die Milch kam als Milchpulver von Nestlé in die Schoki. Reine Milch hat zu viel Wasser und verbindet sich nicht gut mit dem Fett des Kakaos, erzählt die Schokoladendame, die uns den Laden zeigt und nun – endlich – mit einer kleinen Zange Probierstückchen verteilt. Hui, ist das lecker! Okay, der weiße Nougat klebt an den Zähnen. Aber die Schokolade – so intensiv und cremig. Dann dürfen wir sogar in die Vitrine mit den bunten Pralinen greifen. Ich nehme eine mit Feige und Balsamico. Der Balsamico-Geschmack ist ganz sanft, die Feige süßfruchtig. Hmm! Übrigens: Im Laden ist es kühl, so klimatisiert, dass die Schokokunstwerke nicht wegschmelzen. Wie auf einem Kreuzfahrtschiff, wo man auch immer ein großes Tuch oder ein kleines Jäckchen dabei haben sollte.

Gabel im Genfer See am Ufer von Vevey
Ein See zum Anbeißen: Die Gabel im Genfer See am Ufer von Vevey

L’instant chocolat

Rue de Torrent 19

CH-1800 Vevey

instant-chocolat.ch

Eine Kreuzfahrt in der Kreuzfahrt: Gourmet-Cruise auf dem Belle Epoque-Schaufelraddampfer „La Suisse“

Belle Epoque Flotte Schaufelraddampfer la Suisse, Genfer See, Lac Léman
Schaufelraddampfer der Belle Epoque: La Suisse, die elegante alte Dame der Flotte auf dem Genfer See

Wir schlendern am Seeufer entlang zum Schiffsanleger. Wir müssen rechtzeitig dort sein, mahnt unsere Gästeführerin Dagmar, denn Schweizer Schiffe fahren pünktlich. Sehr pünktlich. Während wir warten, unterhält sie uns mit Geschichten über amerikanische Reisegruppen, die die Schweizer Pünktlichkeit für eine Legende oder wenigstens etwas dehnbar gehalten haben und reihenweise Busse, Züge und eben Schiffe verpassten. Die Anekdoten mündeten immer in „ … und 1000 Franken später …“ – weil eine Taxifahrt um den See herum schnell mal so viel kosten kann. Das wurde ein geflügeltes Wort auf unserer Reise.

Überpünktlich – wie könnte es anders sein – kommt die „La Suisse“ angetuckert. Der Schaufelraddampfer aus der Belle Epoque-Flotte ist eine elegante Erscheinung. Die alte Dame ist das Flagschiff der Flotte, im Jahr 2009 vollständig renoviert und als schönstes Dampfschiff der Welt ausgezeichnet. An Bug und Heck funkeln Figuren aus Holz, komplett mit Blattgold überzogen. Von innen kann man einen Blick runter auf den Maschinenraum werfen. Es stampft und schnurrt, die gut geölten Kolben – ähm, ich möchte hier nicht das Genre wechseln … Also: Sieht wie neu aus, das Ding. Auf dem Sonnendeck ist es schön, im Salon der 1. Klasse ein Deck höher noch exklusiver. Über verzierte Stufen geht es nach oben, in die mit feinen Hölzern gestalteten Räume – alles im Originalzustand von 1910 (abgesehen vielleicht von dem Chips-Aufsteller). Wir sitzen im hellen, luftigen Speisesaal, genießen Flusskrebse und gebratenen Fisch, während die Attraktionen des Ufers an uns vorbeiziehen. Ah, da ist das Lavaux (dazu kommen wir noch), oh, hier ist schon Frankreich. Wow, noch mal Schloss Chillon. Und der See, so wunderbar blau, dahinter die Berge in feinen Abstufungen. Zum Glück dauert die Fahrt von Vevey nach Montreux einmal über den See 2 Stunden und 37 Minuten, exakt übrigens. Eine gute Länge. Mehr Kreuzfahrt braucht es nicht.

 

Zurück spazieren wir an der Promenade entlang. Vorbei an der Statue von Freddy Mercury (1946 bis 1991), der in typisch gereckter Pose seit 1996 über den See blickt. Sechs seiner Alben mit Queen nahm er hier auf. „If you want peace of mind, come to Montreux“, war sein Rat.

La Suisse und die Belle Epoque-Flotte:

www.cgn.ch/de

Ins Schwanken kommen: Weinprobe im UNESCO Weltkulturerbe Lavaux

Weingut "Clos de la République" von Patrick Fonjallaz im UNESCO Weltkulturerbe Lavaux
Auf der Terrasse des Weinguts "Clos de la République" von Patrick Fonjallaz im UNESCO Weltkulturerbe Lavaux

Der Zug, der am Seeufer entlangfährt, bringt uns nach Cully. Von dort geht es bergauf: In das steile, kleinteilige Weinbaugebiet namens Lavaux. Im 12. Jahrhundert haben hier Zisterzienser-Mönche kilometerweise Steinmauern und Terrassen aufgebaut, die von den Weinbauern heute noch gehegt und gepflegt werden. Die lehm- und kalkhaltigen Böden liefern einen einzigartigen Wein und eignen sich besonders gut für den Anbau der Chasselas-Traube. Diese mehrheitlich in der Gegend vertretene Rebsorte ergibt trockene Weißweine. Die kleinen Rebflächen und deren Steilhänge machen den Einsatz von Maschinen häufig unmöglich. Alles wird von Hand gemacht. „Kennt ihr schon die drei Sonnen des Lavaux?“, fragt unsere Begleiterin Aurélia, während wir uns leicht schnaufend vor Hitze den Weg durch das UNESCO Weltkulturerbe hocharbeiten. Sie erklärt: „Es gibt die Sonne, die tagsüber scheint, die Rückstrahlung des Genfersees und die Wärme, die die Mauern nachts abgeben.

 

Schön kühl ist es dagegen im Keller des Weingutes „Au Clos de la République“ im Winzerdorf Espesses. Dort steht ein riesiges, prächtig verziertes Fass, das 32.000 Liter fasst. „Das hat mein Urgroßvater bei einer Ausstellung gekauft“. Erzählt Patrick Fonjallaz, der Besitzer des Weingutes. „Es passte allerdings nicht in den vorhandenen Keller. Deshalb wurde ein neuer Keller gebaut – extra für dieses Fass.“ An den Wänden hängen zahlreiche große Fotos. Darauf sind Prominente zu sehen. Der Autor Michelle Houllebeque, der IOC-Präsident und auch ein Astronaut. Auf einem Foto ist Charlie Chaplin zu sehen – mit einem Kind. „Das bin ich“, sagt Patrick Fonjallaz. „Man hatte mir gesagt: Heute kommt Charlie Chaplin. Aber der alte Mann, der uns besuchte, sah kein bisschen so aus wie der, den ich aus den Filmen kannte. Ich war enttäuscht und sagte zu ihm: ‚Du bist gar nicht Charlie!’ Als Antwort hielt er zwei Finger quer unter die Nase und schnitt eine Grimasse – da habe ich ihn erkannt.“ Genau diese Geste ist auf dem Foto eingefangen.

 

Patrick geleitet uns auf die Terrasse, ein wunderbarer Blick über das Lavaux und den See, lichter Schatten unter Bäumen. – der perfekte Platz für eine Weinprobe. „Ich habe den ganzen Nachmittag Zeit für Sie“, sagt er und holt die Gläser und Flaschen. Der Chasselas schmeckt fein, einer besser als der andere. 38 Hektar Weinberge bewirtschaftet der Betrieb und ist seit 13 Generationen in Familienhand, es ist eines der ältesten Familiengeschäfte in der Schweiz. Wer wird ihn übernehmen? Zwischendurch schaut Patricks Sohn vorbei, ein schlaksiger 17jähriger, viel zu jung, um zu wissen, was er will. Die Tochter ist Mitte 20 und geht zum Militär. „Die wird General“, scherzt Patrick. „Ich muss hier noch lange durchhalten.“ Darauf noch einen Chasselas. „Der ist ganz leicht“, meint Patrick, man könne bis 4 Uhr morgens durchtrinken und sei am nächsten Tag nur „vielleicht ein kleines bisschen müde“. Schweizer Weine sind weltweit kaum bekannt, denn die Schweizer trinken fast alles alleine, da bleibt nicht viel für den Export. Doch Patrick arbeitet mit Spitzenköchen in Japan und China zusammen. „Ich habe verstanden, dass es gut ist, auch Weine ins Ausland zu verkaufen, damit sie bekannter werden“, sagt er. Und er schenkt wieder ein, diesmal einen Süßwein, auch Chasselas, der wunderbar nach Quittengelee schmeckt.

Müssen wir wirklich gleich den Abstieg wagen? Nein, meint Patrick, einer geht noch und außerdem würde er uns fahren. Damit wir nicht ins Schwanken kommen – obwohl das ja bei der Leichtigkeit der Weine eigentlich ausgeschlossen ist.

Clos de la République, das Weingut von Patrick Fonjallaz

closdelarepublique.ch/de/

Fass im Keller des Weinguts Clos de la République im Lavaux
Ein dickes Ding: Das Fass fasst 32.000 Liter Wein

Das Abendessen im Le Major Davel hätte toll sein können, wenn der Service uns im Garten am See platziert hätte, statt einen Tisch mit unbequemen Klappstühlen auf dem Parkplatz aufzustellen. Die kleinen Felchen-Filets (Filet des perches) waren aber lecker.

Le Major Davel

major-davel.ch

In bester Gesellschaft: Chaplin's World

Museum Chaplin's World, Villa von Charlie Chaplin in Vevey, Genferseegebiet, Kanton Waadt
Chaplin's World: In dieser Villa wohnte Charlie Chaplin die letzten 25 Jahre seines Lebens

Das Telegramm erreicht Charlie Chaplin im September 1952 an Bord er Queen Elisabeth: Die US-Behörden annullieren seine Wiedereinreise-Genehmigung. Der Schauspieler wird verdächtigt, Kommunist zu sein. Vor allem der Film „Moderne Zeiten“, in denen Chaplin sich über die industrielle Massenproduktion lustig macht, ist verdächtig.

Chaplin beschließt, mit seiner Familie nach Europa umzusiedeln und kauft eine Villa am Genfer See, das „Manoir de Ban“. 25 Jahre wohnt er dort mit seiner Frau Oona und ihren acht gemeinsamen Kindern, von denen vier in der Schweiz geboren werden. Es gefiel ihm dort gut, nur der Lärm eines nahegelegenen Schießplatzes störte. Heute ist die Villa ein Museum, dem Leben und Schaffen Chaplins gewidmet – mit einer sehr detaillierten, spannenden Ausstellung. Arbeitszimmer, Schlafzimmer und Esszimmer sind im Original erhalten. Und die gastfreundliche Atmosphäre auch: "Die größten Stars des 20. Jahrhunderts sind hier ein- und ausgegangen. Stellen Sie sich die Berühmtheiten von damals vor: Sophia Loren, wie sie die Treppe hinaufsteigt, hinauf in den Salon, in dem sie von Oona herzlichst begrüßt wurde," sagt Museumskurator Yves Durand. Ich schreite die Treppe hinauf, stelle es mit vor – und begegne im Bad der Wachsfigur von Albert Einstein, ein weiterer Freund Chaplins.

Chaplin’s World

Sehenswerter Rundgang auf 1850 m², viele Filmausschnitte, spannende historische Aufbereitung, großer Park

www.chaplinsworld.com

Landgang, jetzt aber richtig: Ausflug nach Aigle

Schloss Aigle, Kanton Waadt
Wolken und Wein, dazwischen das Schloss Aigle

Der Zug fährt wieder am See entlang. Ein Stück noch – und dann geht es Richtung Berge, weg vom Wasser, an den östlichen Rand des Rhone-Tals. Aigle ist unser Ziel, eine kleiner Winzerort mit charmanter Altstadt. Ein kurzer Spaziergang führt zum Schloss Aigle, das ein wenig vom Zentrum entfernt in den Weinbergen liegt. Darin ein Museum zum Thema Wein. – mit historischen Pressen und modernen Schautafeln.

Im Schlosshof nimmt uns Alain Emery in Empfang. Der junge Winzer führt uns durch die Weinberge und zeigt seine Reben – Chasselas natürlich. Der sei sehr ergiebig, erklärt er, 1 bis 1,2 Kilogramm Trauben pro Quadratmeter könnte man ernten. Chasselas gibt auch sehr viel Saft. Aus einem Kilogramm Trauben wird eine Flasche Wein. Wenn wir Alain nicht dabei hätten, könnten wir auch unser Smartphone zücken und uns von der App Vaude:Guide auf einem Spaziergang leiten und mit passenden Erklärungen versorgen lassen.

Aber wer weiß, ob wir dann den Weg in Alain Emerys Weinkeller und zu der köstlichen Degustation gefunden hätten. Auf dem Tisch steht eine „Waadtländer Platte“ mit Käse und Saucisson, dazu eine Auswahl sehr guter Weine und Alain, der charmant plaudert: „Wenn der Wein gut ist: Einfach trinken!“

Alphornbläser treten beim Fest auf dem Markplatz auf, manchmal ist die Schweiz einfach ein perfektes Klischee. Oder ist das doch das abendliche Unterhaltungsprogramm an Bord eines Kreuzfahrtschiffes? Das Essen dazu, auf der Terrasse der Pinte Communale, ist übrigens köstlich.

Am nächsten Morgen noch schnell eine Tafel Schokolade bei der Confiserie Hedinger geschnappt und ab in den Zug, der so pünktlich fährt. Und dann ist es wieder da: Das See-Panorama. Hinter den Scheiben der Bahn zieht es vorbei – nah und doch fern, wie das Meer vom Salon eines Kreuzfahrtschiffes.

Chateaux Aigle (Schloss und Weinmuseum)

Chateauaigle.ch

 

Weinverkostung mit dem Winzer Alain Emery

cave-emery.ch/de/

 

La Pinte Communale

Pinte-communale.ch

Mehr über die Region Genferseegebiet und den Kanton Waadt:

genferseegebiet.ch

Möchten Sie in die Schweiz* reisen? Hier finden Sie Inspirationen und Informationen:
www.myswitzerland.com

*Ich war unterwegs auf der Pressereise "Weintourismus im Kanton Waadt", 20.-23. August 2020, auf Einladung von Schweiz Tourismus

Mit dabei war der Kollege Dirk Zehrt vom gourmet-blog.de – ich überlasse es ihm, alles über das köstliche Essen und den guten Wein auf der Reise zu schreiben.

Weinkeller Alain Emery in Aigle, Kirsten Rick vor Weinfässern
Faszination Wein: Kirsten Rick im Keller des Weingutes von Alain Emery. Das Foto hat Dirk Zehrt vom gourmet-blog.de aufgenommen

Sehnsucht nach Kreuzfahrt?

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