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Ein weites Feld: Mit dem Rad auf Fontanes Spuren im Havelland – Etappe 3

Die erste Begegnung mit Fontane: Der Wanderer grüßt uns im Park. Dazu ein halb verfallenes Schloss, eine gigantische Ziege, ein Campingplatz mitten in der Stadt – und natürlich Badestellen!

Radfahrerin im Wald
Auf Fahrradstraßen durch den aufgeräumten Wald

Bei Regen sind wir erst mal im Zelt geblieben. Das ging ganz wunderbar auf dem idyllischen Biwakplatz mit Havelblick. M. hat gestern noch ein kurzes Bad im Fluss genommen. Nur nachts waren die Frösche sehr laut. Ein gigantisches Froschkonzert! Wahrscheinlich durften auch sie während des Corona-Lockdowns nicht auftreten und haben jetzt Nachholbedarf.


Von Mögelin radeln wir überwiegend über Fahrradstraßen im Wald nach Premnitz. Dort mit der Fähre über die Havel (90 Cent pro Person mit Fahrrad). Die einzige Rohrweberei in Deutschland hat leider aus unbekanntem Grund geschlossen. Schade, die hätte ich mir gerne angesehen. M. bemerkt bei der Gelegenheit, dass er den Kameradeckel verloren hat.

Ortsschild Briest umgefallen im Unkraut, Brandenburg
Ach, Effi: Das Ortsschild von Briest liegt am Straßenrand

Weiter nach Briest. Hat der Ortsname mit „Effi Briest“ zu tun? Ich weiß es nicht, finde auch keinen Hinweis. Das Ortsschild liegt, umgeworfen oder umgefallen, im hüfthohen Unkraut am Straßenrand. Ach, Effi!
Weiter auf straßenbegleitenden Radwegen (finanziert mit EU-Fördergeldern, wie zahlreiche Schilder belegen) und Baustellen, immer an oder auf der Landstraße.
Dann: Vollsperrung. Kein Durchkommen. Bagger haben tiefe Gräben ausgehoben, daneben ist dichter Wald. Zu uns stößt ein älterer Herr in greller Jacke, an seinem E-Bike-Lenker ein Smartphone, aus dem Gerät dröhnt laute Musik. Schlager. Er wechselt ein paar Worte mit mir, stellt dann sein Rad ab und geht sich umsehen. M. checkt gerade die Baustelle. Ich stehe alleine mit dem Disco-Schlager-Rad da, eingehüllt in eine mächtige Schallwolke. Atemlos. „Dann tu‘s doch, wenn Du so stark bist, versuch‘s doch“ – so oder ähnlich der Liedtext, der uns begleitet, als wir nach einer Umleitung suchen. 
Eine weitere Radlerin schließt sich uns an, eine Dame, die die Tour Brandenburg (1100 km) fährt. M. routet die gesamte Gesellschaft geschickt um und führt uns wieder auf den richtigen Weg.
Wir machen unterwegs an einem weiteren Biwakplatz halt – hinter einer Straußenfarm. Leider ist kein Eierverkauf in Sicht (hat Straußen-Schulze zu?). Die Biester sehen echt schräg aus, sind aber sehr schwer zu fotografieren.
 Wir picknicken, was wir mitgebracht oder im Supermarkt erbeutet haben.
Auf der Havel tuckern Hausboote vorbei, ab und an auch mal eine Motoryacht, ein Ruderboot, ein paar Kanus.


Hausboot auf der Havel im Havelland in Brandenburg
Havel, Hausboot, Badestelle: Perfekte Urlaubsstimmung in Brandenburg

Plauen ist der erste richtige „Fontaneort“ auf unserer Route. Hier hat Fontane oft seinen Freund Wiesike besucht. Es gibt sogar einen Fontane-Wanderweg, Die alte Brücke ist gesperrt, deshalb sehen wir nicht Wiesike Grab und seine Villa auf der anderen Havelseite.
Aber das Schloss, das einst „prächtige, einzig wahre Schloss“, von dem Fontane begeistert war. Die alte Pracht hält sich nur mühsam, der Putz bröckelt und aus dem Dach wächst seitlich gar eine Birke. Aber im Erdgeschoß werden in Sälen noch Feste gefeiert, dort ist eine Küche, und im Innenhof, so erzählt uns eine sehr freundliche, stark berlinernde Frau mit schicker Weste und Tattoo, soll heute noch ein großer Grillabend stattfinden. Außerplanmäßig. Und die Nebengebäude, die sind schon schick saniert.

Fontane-Wanderweg in Plaue, Havelland, Fontane-Denkmal, Brandenburg
Begegnung mit dem Wanderer Fontane im Plauer Schlosspark

Im 19 Hektar großen Landschaftspark treffen wir Fontane. Er ist recht klein, steht aber auf einem Sockel, die Hand zum Gruß am Hut, einen Fuß vor den anderen gesetzt, quasi im Vorbeigehen. Eine Hommage an den „Wanderer“ Fontane. 
Etwas weiter, viel größer, eine Art Galerie, eine weiße Abschussrampe zum Tontaubenschießen. Flankiert von Bär und Markhor (eine Schraubenziege, wie M. sofort googelt), ebenfalls riesenhaft, die der Graf Königsmarck im Himalaya schoss. Die echten natürlich, die hier sind aus Stein.

Schlosspark Plaue, Plauer See, Denkmal Markhor, Havelland, Brandenburg
Im Schatten der Schraubenziege: Blick auf den Plauer See

Wir umrunden den Plauer See, der an der Ostseite anders heißt, Breitlingsee nämlich, und M. geht baden. Das Wasser ist ihm viel zu flach und zu warm, sagt er, aber bei der Gelegenheit findet er den Kameradeckel wieder – in seiner Fahrradhose. Warum er das beim Fahren nicht gemerkt hat? Bedenklich!

Vorher passieren wir noch einen Ort, der anscheinend mit einer Pulverfabrik reich geworden ist: Kirchmöser. Die historischen Fabrikgebäude sind erhalten, die Wohnsiedlungen auch.


Hinein nach Brandenburg an der Havel. Sehr breite Straßen, Straßenbahnen (Achtung bei den Schienen!) und eine historische Altstadt. Es sieht alles ein bisschen aus wie Berlin, nur viel kleiner. Mitten in der Stadt gibt es einen Campingplatz, nicht nur für Wohnmobile, auch für Zelte. Sieht aus wie ein altes Fabrikgelände, liegt direkt am Wasser. Der gelbe, schwimmende Kiosk hat leider schon geschlossen.


Havelkanal, Brandenburg an der Havel, Paddler
Zeltmöglichkeit mitten in Brandenburg an der Havel: Wassersportzentrum Alte Feuerwache

Tipp:
Campingplatz Wassersportzentrum Alte Feuerwache in Brandenburg an der Havel, wassersportzentrum-alte-feuerwache.de

Etappen-Info: Mögelin bis Brandenburg an der Havel, 57,8 Kilometer

Spaziergang durch Brandenburg an der Havel: 5 Kilometer. Dabei stoßen wir auf eine Gedenkstätte, „Euthanasie“, mit dem Grundriss einer Gaskammer, die mitten in der Stadt stand. Etwa 9000 Menschen wurden hier umgebracht.

Mehr über die Route auf dem Havelradweg auf havelradweg.de

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