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Ein weites Feld: Mit dem Rad auf Fontanes Spuren im Havelland – Etappe 2

Erste Hinweise auf Fontane: Wegweiser, auf denen "Ein weites Feld" steht – ein Zitat aus Effi Briest! Dazu alte Herrscher als Postkartenautomaten, märkische Männer  und ein idyllischer Biwakplatz an der Havel. Es ist schön!

Havel Ruderboot
Havel-Stilleben mit Boot

Ein Spaziergang durch Havelberg. Der Dom ist wirklich imposant, der Klostergarten ganz entzückend. (Er wurde im Rahmen der Buga 2015 schick gemacht). Vor dem Dom stehen in Bronze der preußische „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. und Zar Peter der Große. Der Soldatenkönig hat dem Zaren in Havelberg das Bernsteinzimmer geschenkt, der Zar dem Preußen dafür 55 Grenadiere, die „langen Kerls“ (mindestens 1,88 m groß). Menschenhandel?

Witzig: Zar und Kaiser sind gleichzeitig Postkartenautomaten. 2 Euro in den Orden an der Brust einwerfen, an der Jackentasche ziehen, Postkarte entnehmen.


Havelberg Denkmal Postkartenautomat vor dem Dom
Denkmal (und zugleich Postkartenautomat) in Havelberg: Münzeinwurf auf der Brust

Im Haus der Flüsse, einem sehr gelungenen Holzbau, erfahren wir mehr über die Renaturierung und den Lebensraum der unteren Havelniederung. Und auch, was für einen Vogel wir vermutlich gesehen haben: einen Seeadler!

Bei einem Regenstopp unter dem Dach eines Picknickplatzes lese ich etwas über Fontane: Er hat ca. 11000 Briefe geschrieben. Nicht alle sind erhalten, aber sehr, sehr viele. An seine Frau, seine Freunde.
 Fontane gilt als der bedeutendste deutsche Briefschreiber der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Durch seine Briefe und Tagebücher wissen wir über Fontane mehr als über nahezu alle anderen Autoren des 19. Jahrhunderts.

Fontane:

“Ich bereise jetzt unsere märkisch-brandenburgische Heimat und durchstöbre (...) die alten Schlösser (...), dazu die kleinen märkischen Städte mit ihren Männern und ihren Erinnerungen.“ Fontane hoffte, so die märkische „Lokalität“, deren Reize weitgehend unentdeckt waren, „wie die Prinzessin im Märchen zu erlösen“.


Die Route des Havelradwegs führt zunächst entlang der Landstraße durch merkwürdig anmutende Orte. Es sieht nach vergessenem Osten aus, dieser besondere, grobe grau Putz, der abbröckelt. Männer, die sich noch nicht mal mehr ein Hemd oder T-Shirt leisten können und barbäuchig in der Sonne brutzeln, gerne mal ein Bier in der Hand. Sind das die märkischen Männer, die Fontane meinte? Hängen sie ihren Erinnerungen nach? 
Allein Garz ist sehr schön, auch wegen der Havelhöfe

Hafelhöfe Hotel Rezeption
Alter Backsteinbau, schön renoviert: Die Havelhöfe

Tipp: Havelhöfe, havelhoefe.de

Dann werden die Radwege super. Es gibt Fahrradstraßen, echte Fahrradstraßen !!! mitten durch den Wald. Und drei Wegweiser mit dem Hinweis „Ein weites Feld“, ein Fontane-Zitat aus Effi Briest. Die führen mal in die eine, mal in die andere Richtung, vorbei an einem der letzten Nadelwehre Deutschlands. Was ein Nadelwehr genau ist, werden wir wahrscheinlich nie erfahren, weil wir keinen Schlenker fahren, um es zu besichtigen.


Rathenow empfängt uns mit einer sehr langen Ausfallstraße, an der reichlich Autos verkauft werden und die quasi nahtlos durchs Stadtzentrum führt. Der „Optikpark“ hat leider schon geschlossen. Ansonsten gibt sich die „Stadt der Optik“ (Beiname auf dem Ortsschild) eher funktional. 
In der Pizzeria „Due Frateli“ bekommen wir einen Tisch für 30 Minuten – danach ist der reserviert und drinnen sitzen wollen wir nicht. Dass das in Pandemiezeiten überhaupt erlaubt ist!


Biwakplatz in Mögelin direkt an der Havel Zelt Fahrräder
Perfekte Idylle für Wasser- und Radwanderer: Biwakplatz in Mögelin direkt an der Havel

Rathenow lassen wir hinter uns und steuern einen Biwakplatz in Mögelin an. Der ist ganz zauberhaft! M., der partout kein Wasser bei Netto kaufen wollte („kein Plastikflaschenwasser!“), sieht jetzt zu, wo er noch welches bekommt. Und ich sitze hier an der Havel im frischer werdenden Wind, während der Himmel sich zuzieht. Die anderen Camper (drei Zelte stehen außer unserem auf dem Platz) sind alle mit Kanus unterwegs.


Etappen-Info: Havelberg bis Mögelin, 65 Kilometer

Mehr über die Route auf dem Havelradweg auf havelradweg.de

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