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Back to the 90s in Berlin

Tipps für ein ziemlich oldschooliges Wochenende

In Berlin werden die Trends gemacht, heißt es. Mehr Hipster pro Quadratmeter gibt es höchstens noch in Tokio. Oder so. Arm aber sexy. Craftbeer an jeder Ecke, Ramen-Nudeln und Poke-Bowls sowieso. Ich wollte aber an diesem Wochenende nichts Neues entdecken, sondern dorthin gehen, wo es mir schon in den 1990er Jahren gut gefallen hat. Und an Orte, die es noch viel länger gibt.

 

Hier sind meine Retro-Tipps:

Auf dem Weg zum Stokx Shop in den Hackeschen Höfen
Auf dem Weg zum Stokx Shop in den Hackeschen Höfen

1. Stokx Shop

Melinda Stokes entwirft und näht sehr lässige und schicke Kleidung mit wunderbar durchdachten Schnitten. Raffinierte Teile, die herrlich entspannt sitzen, unglaublich gut aussehen und sofort zu Lieblingsstücken werden. Durch ihre Kollektion im Stokx-Shop (seit 1998), tief verborgen in den Hackeschen Höfen (mit einem Treppenhaus, dessen Wände und Fenster über und über mit Aufklebern und Grafitti dekoriert sind), probiere ich mich immer wieder gerne durch. Und auch der Mann kommt eigentlich nie ohne ein neues Stokx-Teil aus Berlin zurück. Wer sich selbst ein Stokx-Stück nähen möchte: Die Schnittmuster gibt es bei Frau Crafteln im Schnittmusterkiosk, shop.crafteln.de

 

Stokx shop + studio, Rosenthaler Str. 39, Haus Schwarzenberg, Hinterhaus 2. OG, 10178 Berlin-Mitte, Di-Sa 12-19 Uhr, www.stokx.de

Veggie-Plate und Bircher Müsli zum Frühstück in Barcomi's Deli
Veggie-Plate und Bircher Müsli zum Frühstück in Barcomi's Deli

2. Barcomi's Deli

Seit 1994 gibt es Barcomi's Kaffeerösterei in der Bergmannstraße, seit 1997 versteckt sich das Deli in den Sophienhöfen, nicht weit entfernt von den Hackeschen Höfen. Unvergessen sind die endlosen glücklichen Nachmittage mit den Kuchen-Probiertellern mit vier halben Stücken für 7,90 Euro (für alle, die sich noch nicht mal für zwei Sorten entscheiden können). Wie soll das auch gehen bei all den Cheesecake-Kreationen? Und welcher Bagel darf es zum Frühstück sein? Uns begeistert die Veggie-Plate mit Hummus, Avocado, Linsensalat, Quinoa mit geröstetem Gemüse und noch ein paar Extras.

 

Barcomi’s Deli, Sophie-Gips-Höfe, 2. Hof, Sophienstr. 21, 10178 Berlin, Mo-Sa 9-21, So 10-21 Uhr, www.barcomis.de

Barcomi's Deli
Barcomi's Deli

3. Monsieur Vuong

Der Ur-Hipster-Vietnamese in Mitte. Ein Jugend-Foto des ehrwürdigen Monsieur Vuong, Vater des Restaurantgründers, ist seit jeher das Markenzeichen. Geschmacklich ist der Glasnudelsalat wie immer ganz weit vorne und wenn kein Löffel in Reichweite ist, um die letzten Reste aus der Schüssel zu bekommen, muss eben der Trinkhalm aus dem Gurkensmoothie herhalten. Die Karte ist schön übersichtlich und der Service angenehm fix und freundlich.

 

Monsieur Vuong, Alte Schönhauser Str. 46, 10119 Berlin-Mitte, Mo-Do 12-23, Fr-So 12-24 Uhr, www.monsieurvuong.de

Admiralspalast
Admiralspalast

4. Admiralspalast

Der traditionsreiche Vergnügungspalast hatte einst noch viel mehr als nur Bühnen zu bieten: luxuriöse Bäder, gespeist aus eigener Solequelle und ein Eispalast, in dem „Eisballette“ aufgeführt wurden. In den 1920ern tanzten auf der großen Bühne die Haller-Girls, später wurde der Admiralspalast zum Revue- und Operettentheater. Heute gastieren vor den rotsamtenen Sitzen unter dem Kronleuchter Musicals, aber auch immer wieder Helden aus vergangenen Jahrzehnten. Ein großes Glück war der Auftritt von Burt Bacharach im Juli. Wenn Tony Bennett in Deutschland spielt, dann auch hier. Und demnächst stehen auf dem Programm: Rick Astley, die Burlesque-Künstlerin Dita von Teese, Echo & The Bunnymen, Uriah Heep (Vorband: The Zombies), Nana Mouskouri.

 

Admiralspalast, Friedrichstr. 102, 10117 Berlin, www.admiralspalast.de

Alte Nationalgalerie
Alte Nationalgalerie

5. Alte Nationalgalerie: "Wanderlust"

Wandern als Suche nach dem eigenen Lebensweg: Dafür haben die Romantiker ihre Stiefel geschnürt und ihre Staffeleien raus in die Natur und über die Berge geschleppt. Das Bild „Der Wanderer über dem Nebelmeer“ (wahrscheinlich das bekannteste Wanderbild ever) von Caspar David Friedrich verlässt die Hamburger Kunsthalle ja selten, doch zur Ausstellung „Wanderlust“ ist es nach Berlin gereist. Wir flanieren erst durch die Säulengänge vor der Alten Nationalgalerie, dann durch die Sonderschau. Mittendrin ein Video von Björk, die auf melancholisch aussehenden Büffeln surft.

 

Alte Nationalgalerie, Bodestraße, 10178 Berlin, Di-So 10-18, Do 10-20 Uhr, www.smb.museum/ausstellungen/detail/wanderlust.html

Säulengang vor der Alten Nationalgalerie
Säulengang vor der Alten Nationalgalerie

6. Ständige Vertretung

An den Wänden hängen dicht an dicht Bilder politischer Zeitgeschichte: Schmidt & Mitterand im Partykeller, Willy Brandt mit Gitarre in der Hand, Adenauer zu Besuch bei den Siuox. 1997 eröffnete die Ständige Vertretung in der Nähe des Regierungssitzes und brachte ein Stück Rheinland mit. Hier wird Kölsch ausgeschenkt, Rheinischer Sauerbraten serviert und die Currywurst, angeblich Gerhard Schröders Leibgericht, heißt "Altkanzler-Filet". So eine richtige Retro-Mottokneipe mit etwas staubigem, aber durchaus lebendigem und sehr eigenem Charme.

 

Ständige Vertretung, Schiffbauerdamm 8, 10117 Berlin-Mitte, www.staev.de

Übernachten

Am liebsten natürlich bei Freunden auf dem Sofa – original 90er-Jahr-Style.

Wenn das aus irgendwelchen Gründen nicht in Frage kommt:

Das Monbijou Hotel überzeugt mit perfekter Lage (Nähe Hackescher Markt und Museumsinsel), in britischem Vintage-Style gestalteter Lobby, kleinen, aber angenehmen Zimmern, altem Holzfußboden, Dachterrasse, Innenhof und charmanter Lobby.

 

Monbijou Hotel, Monbijouplatz, 10178 Berlin, www.monbijouhotel.com

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