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Ein weites Feld: Mit dem Rad auf Fontanes Spuren im Havelland – Etappe 1

"Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“: Wer kennt es nicht, das berühmte Gedicht von Theodor Fontane über den birnenverschenkenden Gutsherrn? Mein Mitfahrer M., das musste ich während unserer Tour entlang der Havel feststellen. Aber auch der wurde noch zum Fontane-Fan auf unserer Radreise durch das Havelland. Ein vielschichtiger Ausflug durch malerische Natur und beeindruckende Städte, stets begleitet von Literatur und Geschichte. Am Wegesrand: zahlreiche schöne Badeplätze!

Feld am Elberadweg
"Es ist ein weites Feld" – das Fontane-Zitat passt auch auf dem Elberadweg

Reisetagebuch, 1. Etappe: Zwischen Elbe und Havel

Im Wendland starten wir, dort ist Fontane noch fern. Vorbei an vielen gelben Holz-X (Symbol des Widerstands gegen das geplante Atommüll-Endlager in Gorleben, das nun zum Glück nicht zum realisiert werden soll) und durch die Neemitzer Heide, die jetzt im Juli noch nicht blüht.

Der Elberadweg führt uns entlang des breiten Stromes und durch weite Wiesen Richtung Havelmündung – und dort auf den Havelradweg.

Bei Wittenberge überqueren wir die Elbe, ganz langsam, denn an der Brücke, die wir uns mit Bahngleisen teilen, wird gebaut. Schon von weitem grüßt uns der Uhrturm des ehemaligen Singer-Nähmaschinenwerks. Auf der Bahnfahrt Hamburg-Berlin bin ich schon oft durch Wittenberge gefahren (nicht zu verwechseln mit der Lutherstadt Wittenberg).

An der Elbuferpromenade machen wir ein Picknick, im Hintergrund der Backsteinkomplex der Alten Ölmühle. In dem Industriedenkmal ist nicht nur ein Hotel mit großem Wellness-Bereich untergebracht, sondern auch Restaurants (neu: Das vegane Restaurant „Mahl anders“) und sogar ein Indoor-Kletterturm und ein Tauchturm.

Wittenberge Alte Ölmühle Fahrrad Picknick
Picknick vor der Alten Ölmühle in Wittenberge

Tipp: Ölmühle Wittenberge, oelmuehle-wittenberge.de

Wir fahren viel auf dem Elbdeich entlang, was nicht heißt, dass wir immer die Elbe sehen. Die grüngrasige Auenlandschaft ist so groß, so weitläufig, dass der Blick weit über die Landschaft schweifen kann. Der Weg führt mitten zwischen Elbe und Havel entlang, über uns kreisen und stehen immer wieder Greifvögel. Ein besonders großer Vogel fliegt auf, als wir uns ihm nähern. Am Rande des Radweges lässt er seine Beute zurück - ich meine, den Lauf eines erlegten Lammes zu erkennen. Der Rest ist Gemetzel. Was war das für ein riesenhafter Vogel?


Die Havel, von der Quelle bis zur Mündung – so wird der Havelradweg beworben. Wir beginnen einfach bei der Mündung, fahren in die andere Richtung. Kein Problem, schlimme Steigungen sind nicht zu erwarten.

Havelberg an der Havel
Havelberg (der Berg ist nicht mit im Bild)

Erst um 21.30 Uhr erreichen wir Havelberg. Die historische Altstadt liegt auf einer Havelinsel, der Campingplatz auf einer anderen, beide sind durch Brücken verbunden. Es ist spät, die Restaurants winken ab. Akropolis: schon geschlossen. Viet-Thai: nur to go, nur noch Bratnudeln. Dann also so. Eine Portion Bratnudeln am Hafen, danach noch eine Pizza vom Pizza-Döner. Nach 108 Kilometern haben wir einfach Hunger. Obwohl M. vorhin noch meinte, ein paar Nüsschen würden ihm auch reichen.

Auf dem Campingplatz treffen wir ein Paar, uns ähnlich, mit Rädern und Zelt unterwegs, aber sie kommen aus der entgegengesetzten Richtung. Der Mann ist Fontane-Fan, wir schwärmen gemeinsam etwas von der Detailverliebheit der Romane.

Etappen-Info: Von Wustrow über Wittenberge nach Havelberg, 108 km

Informationen über den Havelradweg finden Sie auf havelradweg.de

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